In Rom das Proletariat

Der Anlass, das weiter unten folgende Gedicht zu schreiben, war für Resi Stenz Ende Juli 2018 der berühmte „150-Euro-Sager“ der Sozialministerin Beate Hartinger-Klein. Die Poetin findet in diesem Zusammenhang Parallelen zwischen Entwicklungen, die in der gegenwärtigen österreichischen Gesellschaft vor sich gehen, und der römischen Antike.

 

 

In Rom das Proletariat

In Rom das Proletariat
besaß nichts außer’m Bürgerrecht.
Die Stimm‘ es dem gegeben hat,
der’s aus– und unterhalten möcht‘.

„Brot und Spiele“ heißt’s hier immer.
Die kargen Privilegien teilen?
Die Antwort darauf: Nie und nimmer!
Das Schicksal tat sie doch ereilen,

denn alle Underdogs versanken
im Kaiserreich in gleicher Not.
Das Christentum wir dem verdanken:
erlösen konnt‘ sie nurmehr Gott.

Sozialreformer längst erschlagen
die ihnen Äcker geben wollten,
denn sie konnten nicht ertragen,
dass sie das Vorrecht teilen sollten,

Bürger der Stadt Rom zu sein
mit ihren Zwangsverbündeten.
Doch Rechte gab’s bald nur zum Schein,
die inner’n Kämpfe mündeten

in Monarchie und Despotie,
und’s Bürgerrecht war obsolet.
Der Volkeswille zählt halt nie,
wenn’s Recht vom starken Mann ausgeht.

Wer sich zu sehr darüber freut,
dass and’re etwas nicht bekommen,
den dieses vielleicht bald schon reut,
wenn es auch ihm wird abgenommen.

Der Hundertfünfzig Euro-Scherz
wird vielen von uns Freude machen,
Erst Schadenfreud’ und dann … der Schmerz,
sodass gefriert das schiefe Lachen.

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