12. November ’18

Der 100. Geburtstag der Republik inspirierte Resi Stenz dazu, sich in einer Gereimtheit mit den schwierigen Anfängen des kleinen Reststaates auseinanderzusetzen, die Errungenschaften jener Zeit zu würdigen und sich zu fragen, was wohl von diesen Errungenschaften übrig sein wird, wenn die Absichten der gegenwärtigen Regierung alle in Gesetzesform gegossen sind.

Zum Schluss folgt ein kleiner Seitenhieb auf ein Steckenpferd österreichischer Monarchisten, das darin bestand, Karl Habsburg, dem letzten Kaiser der Donaumonarchie, einen Offiziersdienstgrad im Himmel zu verschaffen, bis nach vielen Jahrzehnten des Bemühens diesem Vorhaben im Jahre 2004 endlich Erfolg beschieden war.

 

 

12. November ’18

Im November Neunzehnachtzehn
wurde die Republik geboren.
Doch welche, ließ sich noch nicht abseh’n.
War‘s Vaterland gar schon verloren?

Drohte die Republik der Räte
so wie in Ungarn auch zu Haus‘?
Reichten Bürger-Stoßgebete
für einen Exorzismus aus?

Auch die Sozialdemokratie
wollte die bürgerliche Republik.
Allmählich sterben ließ grad sie
die Räte drum mit ihrer Politik.

Die Christlichen und die Sozialen
machte die Furcht verhandlungsweich:
Lieber den Hacklern Urlaub zahlen
als so ein Kommunistenreich!

Ferdinand Hanusch führte nun
seine Sozialgesetze ein.
Besser noch das, als Béla Kun,
konnten sich alle sicher sein.

Bald aber wurde offenbar,
dass jene Räterepublik
ein Literatentraum nur war,
für die Politbühne ein Stück.

Unnötig das Zugeständnis,
verschenkt die Flexibilität,
und zu spät kam die Erkenntnis,
dass‘s um den Wirtschaftsstandort geht,

dass eingegrenzte Arbeitszeit
nur den Proleten Freude macht,
und es wohl den Profit beschneid’t,
wenn alle schlafen in der Nacht.

Zwei Diktatur’n gelang es nicht,
Hanuschs Vermächtnis auszulöschen.
Kann sein, dass Kurz den Bann jetzt bricht
mit seiner Truppe, seiner feschen.

An turbulente Umbruchstage
erinnert noch ein schlimmes Wort:
„Betriebsräte“ – so heißt die Plage!
Seliger Karl, nimm sie fort!

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