Des „Gedankenjahrs“ gedenken

Das Jahr 2018 bot uns als „Gedankenjahr 2.0“ Gelegenheit, einer ganzen Reihe von historischen Ereignissen zu gedenken, so etwa auch des „Gedankenjahrs 1.0“ (=2005).

Der damalige Schwarzblau-Kanzler Wolfgang Schüssel hat den Begriff „Gedankenjahr“ vielleicht nicht selber geprägt, jedenfalls aber öfters gebraucht, wohl weil man mit „Gedenkjahr“ eher erzwungenes Sitzen in einem Festsaal verbindet, das durch Kammermusik und langatmige Reden vorhersehbaren Inhalts vollends zur Qual wird.

Seitens des damals noch Elisabeth „Strickliesl“ Gehrer unterstehenden Unterrichtsministeriums wurde gelinder Druck auf die Lehrerschaft ausgeübt, doch bitte irgendetwas Kulturelles zum Gedankenjahr auf die Beine zu stellen. Und weil man den Lehrern nicht trauen kann, weil sich unter den vielen Braven immer auch ein paar Scherzkekse finden, war ein thematischer Rahmen vorgegeben:

„Demokratie leben: Kultur – Schule – Gesellschaft“.

Doppelpunkte und Gedankenstriche sind unschätzbare Hilfsmittel der Suggestion, die nicht zur konkreten Dienstanweisung gerinnen möchte, denn die hätte dann lauten müssen: „Tut’s Schwarzblau ein bisserl beweihräuchern“.

„Kultur“ scheint in der genannten Dreifaltigkeit übrigens der feine Schinken zu sein, den man sich manchmal aufs tägliche Brot legen kann wie etwa „der seltene, vom Munde abgesparte Besuch der Oper“ des Adolf H.

Von einem Wiener HTL-Lehrer darum gebeten, schrieb Resi Stenz für ein solches Projekt (ein Video mit dem Titel „Aus der Geschichte lernen – Demokratie leben“) ein Drehbuch. Man sieht dem Endprodukt an, dass es von Amateuren (im besten Sinn des Wortes) unter Zeitdruck hergestellt wurde; wir meinen aber, dass es durchaus wert ist, dafür ein paar Minuten zu opfern.

Zum Video

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