Wer klopfet an?

Resi Stenz hat den mutigen Vorstoß des österreichischen Bundeskanzlers, der mit seiner Mindessicherungsreform die Menschen stärken und zum Aufstehen ermutigen möchte, abermals zum Anlass genommen, eine Geschichte zu verfassen.

Eigentlich ist es die gleiche Geschichte wie schon das „Lob der sozialen Härte“; diesmal aber als prosaischer Text, der durch eine Gereimtheit ergänzt wird, die auf dem Adventlied „Wer klopfet an?“ beruht.

Tuco vomTeam Resi hat die neue Version des Liedes für uns gesungen.

(Wiederum handelt es sich um einen Beitrag zu den abc.etüden, der – den Vorgaben entsprechend – die Worte „Abfallglück“, „Verfallsdatum“ und „unschuldig“ enthält und aus weniger als 300 Worten besteht.)

 

Nicht alle Sozialfälle entwickeln soviel Energie wie Emma Rote, der es in unserem Märchen mit Hilfe der türkisblauen Mindestsicherungsreform gelingt, sich gleichsam am eigenen Schopfe aus der Misere zu ziehen: In Altglascontainern (und anderswo ) findet sie mit achtlos weggeworfenen Pfandflaschen sozusagen ihr „Abfallglück“, erhebt sich als Geschäfts-Power-Frau wie Phönix aus der sozialen Hängematte und ruft sogar noch ein zweites Business als Verfallsdatumsdetektivin in Billa-Filialen ins Leben; denn gemäß der Billa-Frischegarantie erhält der Finder von Lebensmitteln, deren Haltbarkeitsdatum abgelaufen ist, die gleiche Ware frisch und gratis, auch dies – so gesehen – eine Art „Abfallglück“. Manchmal hilft Frau Rote ihm ein wenig auf die Sprünge und versteckt Gerade-noch-nicht-Abgelaufenes ganz weit hinten im Regal, um wenig später ein Gratisexemplar dafür fordern zu können. Angesichts der Tricksereien, die in der Autoindustrie gang und gäbe sind, fühlt sie sich dennoch unschuldig wie ein Neugeborenes.

Frau Rote ist nun sogar in der Lage, der FPÖ monatlich 150 Euro zu spenden, damit diese endlich aus dem Minus herauskommt, das sie sich im Präsidentschaftswahlkampf zugezogen hat.

In diesem einen Fall ist also der Austrian Dream vom sozialschmarotzenden Aschenputtel wahr geworden, das Prinz Aalglatt nach hundertjährigem, vom Fluch der Mindestsicherung verursachtem Dahindämmern zur Power-Prinzessin wachküsst!

Es ist aber noch viel zu tun, und der junge Prinz wird mit seinem Schwert Lexomnipoor den Wirtschaftsstandort Österreich noch von jeder Menge Sozialgestrüpp befreien und noch an so manche Tür klopfen müssen, um die Menschen dahinter zu wecken!

Wer klopfet an?

Wer klopfet an zu solch nachtschla-ha-fender Zeit?
Ihr G’sindel, auf! – Habt’s schon genug geschlafen heut‘!
O durch Gottes Lie-hib wi-hir bitten,
lass uns noch das Bett ein bisserl hüten!
O nein, nein, nein! Dass nur die Kinder aufstehn, kann nicht sein!
Ich roll euch die soziale Hängematte ein.
Weil ihr bringt’s uns kein‘ Gewinn,
macht Mindestsicherung kein‘ Sinn!

 

3 Antworten auf “Wer klopfet an?”

  1. Wenn das Beispiel Schule macht, wie lange dauert es, bis die Billa-Filialen damit wieder aufhören? Hierzulande würde das ziemlich fix passieren …
    Kopfschüttelnde Grüße von hüben nach drüben
    Christiane

    1. Ich vermute, dass Emma Rote [rote Emma – eine Kartoffelsorte [wie witzig!]] bloß in ihrer etwas verzerrten Selbstwahrnehmung zur Geschäfts-Powerfrau aufgestiegen ist und nach der „Mindestsicherungsreform“ ein noch armseligeres Armutschgerl sein wird, das sich freut, wenn es beim Billa gelegentlich einen abgelaufenen Käs‘ findet. Oft kommt sowas nicht vor. Für’n Billa stellt sie keine Bedrohung dar.
      Immer wenn ich die Bierflaschen, die sich bei mir ansammeln, dem Leergutautomaten beim Billa überantworte, steht ein erschreckend geringer Betrag auf dem Bon, den er mir ausspuckt. Die paar Flaschen, die Emma irgendwo findet, werden das Kraut auch nicht fett machen.
      Die gute Nachricht also: Die Billa-Frischegarantie bleibt weiter aufrecht.
      Die zweitbeste Nachricht: Das türkisblaue Cabaret bleibt uns ebenfalls erhalten…
      Die schlechte Nachricht: …als unsere „Regierung“.
      Desillusionierte Grüße über den Weißbier-Limes hinweg,
      Resi

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