Posttraumatischer Albtraum

Falke

Nichts Neues aus dem Winterpalais des Prinzen Eugen.
Das Warten, bis eine Koalition zustandekommt, wird uns sicher noch durch den einen oder anderen Slapstick oder “Einzelfall” verkürzt werden, aber zur Stunde müsste man den Blick glatt über den österreichischen Tellerrand heben und auf das globale närrische Treiben richten, um sich ein wenig Abwechslung zu verschaffen. Der aktuelle politische Selbstmordversuch der SPÖ ist derzeit (wenigstens aus unserer Perspektive) so undurchschaubar, dass man nicht viel mehr darüber sagen kann, als dass er ein solcher ist.
Um nicht aus der Übung zu kommen hat Resi Stenz eine kleine Herausforderung angenommen: Die Begriffe “Vogelflug”, “ängstlich” und “schwingen” sollen in einem Text von maximal 300 Wörtern untergebracht werden. So entstand das folgende Gedicht, das Tuco für uns gelesen und mit deutscher Luftlandemusik unterlegt hat.
(Paco)

Posttraumatischer Albtraum
oder
Wie das Warten auf das Scheitern der Sondierungsgespräche des Wahlsiegers Kurz mit Rot und Grün an den Nerven zerrt

Bin ich ein Spatzerl oder Tauberl?
Oder ein Fäu(l)kl mit ein‘ Hauberl?
Weil ich gar nichts sehen kann!
Doch, ja, da ist mein Nebenmann!

Ein Mann!?! Ein Mensch!?! Und ich `leicht auch!?!
Wie kriegt der hin den Vogelflug?
und was hat der da vorm Bauch?
Wo sind wir eigentlich, im Zug?

Keine Antwort und nur Fragen,
die an meinen Nerven nagen.
Noch mehr Menschen seh‘ ich jetzt,
der Raum um mich ist voll besetzt!

Dieses Dröhnen von Motoren –
das kann nur ein Flugzeug sein!
Hier hab‘ ich wirklich nichts verlor‘n,
und wie – verflixt – komm ich hier rein?

Ein grünes Licht leuchtet jetzt auf
und Böschs Stimme hört man drauf:
„Ausse mit euch jetzt, zack, zack, zack!“
Ich bin der einz’ge ohne Sack!

Weder die Reserve vorne,
noch der Hauptschirm auf dem Rücken!
„Abgeordnete, airborne,
heute darf sich keiner drücken!

O(b)m geblieben ist noch keiner.
Wir treffen uns am Heldenplatz.
Und sollt‘ wirklich fehlen einer,
find ma sicher schnell Ersatz!“

Wie ich an der Klappe steh‘,
grinst der Kickl: „Kennst es eh!
Bis’d unt‘ bist fallt dir schon was ein!
Du musst deshalb nicht ängstlich sein!“

Raus aus dem Dunklen tritt sodann
– ich weiß, dass das nicht wahr sein kann –
der Strache und gibt mir ein‘ Stesser
und sagt: „Fliag du, du kannst des besser!

Wir bleiben lieber hier an Bord,
du schwing‘ dich auf an Engerl fort!“
Dann lacht’s mir teuflisch hinterdrein,
das muss jetzt mein Ende sein!

Kopfüber stürze ich zur Erde,
ganz sicher, dass ich sterben werde!
„Steh auf jetzt, Norbert, s’is scho Zeit!“
Verena, Schatzi, so a Freid!

Nicht Skyvan, sondern BMW,
des Leben is ja doch recht schee!
Selbst noch mit minus zehn Prozent.
An die hab i mi jetzt scho gwehnt.

Interpretationshilfe (hinzugefügt am 23. 10. 19):
Das im Titel angesprochene “Trauma” besteht natürlich in den Verlusten der FPÖ bei der Nationalratswahl. Den hauptsächlich durch dieses Trauma bedingten Albtraum des Protagonisten (Norbert Hofer) hat Resi in luftige Höhen verlegt, weil dies seiner Leidenschaft fürs Fliegen entspricht (außerdem ließen sich damit leicht Begriffe wie “Vogelflug”, “ängstlich” und “schwingen” unterbringen). Ein Traum als Hintergrund des Geschehens ließ auch Absurdes zu: Der Protagonist – passionierter Flieger, der er ist – hält sich für ein Vogerl. Er weiß nur nicht, ob er Taube oder Falke ist. Im wirklichen Leben meinen manche, dass Hofer eigentlich ein Falke ist, der außerhalb der freiheitlichen Bierzelt-Volieren das freundlich gurrende Tauberl gibt. Der Protagonist in Resis Gedicht neigt ebenfalls eher dazu, sich für einen Falken zu halten, weil er anfänglich nichts sehen kann und meint, dass ihm eine Lederkappe über die Augen gezogen worden ist. Doch dann gewöhnen sich diese an das Dunkel und er beginnt, seine Umgebung wahrzunehmen. Allmählich wird ihm klar, dass er als Mensch unter Menschen in einer Transportmaschine hockt. Er gehört offenbar zu einem Dutzend harter Kerle, die – wie die deutschen Fallschirmjäger weiland über Kreta – nun über dem Wiener Heldenplatz abgesetzt werden sollen, um dort zu tun, was immer harte Kerle ihres Schlages im Parlament so tun. Der Teutone Reinhard Bösch, Bundesheer-Oberst der Reserve und Wehrsprecher der FPÖ, ist als Erfinder der “Anlandeplattformen” natürlich besonders geeignet, beim Absprung Regie zu führen.
Der Protagonist muss aber feststellen, dass er als einziger in dem Springer-Haufen keinen Fallschirm trägt. An der Luke begegnet er dem Klubobmann Kickl, der dort wohl die Reißleinen der anderen im Flugzeug einhängt, ihm aber nur zynische Abschiedsworte auf den Weg nach unten mitgibt. Wir deuten diese Traumszene als Vorahnung eines offenen Machtkampfs. Auch der von ihm faktisch aus der Partei ausgeschlossene ehemalige Parteichef Strache ist plötzlich da und stößt den Protagonisten aus dem Flugzeug hinaus.
Der Weckruf der Ehefrau (Verena) verhindert den tödlichen Aufprall und wendet alles zum Guten. Nicht eine Skyvan wird Norbert von Pinkafeld nach Wien bringen, sondern sein Sechser-BMW.
Nach einem solchen Albtraum nimmt man einen zehnprozentigen Verlust leichter hin. Schließlich sind sechzehn Prozent übrig geblieben, und das sind immer noch zwei mehr als die Grünen erzielt haben. Wenn der Kurze dann also lange genug mit der “Weltuntergangspartei” sondiert haben wird, um in der Öffentlichkeit ernsthaftes Bemühen darzustellen, wird man sich nicht länger verweigern können (oder müssen).
(Paco)

 

 

3 Antworten auf “Posttraumatischer Albtraum”

  1. Logischerweise verstehe ich wieder mal nur Bahnhof – und wo ist eigentlich das “ängstlich” versteckt, Frau Resi?
    Das ist schon kompliziert, da bei euch Nachbarn …
    Liebe Grüße
    Christiane 😉

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