Taking Liberties

Vier Wochen sitzt Resi Stenz als Risiko-Grüpplerin nun schon in der Corona-„Sicherungshaft“. Tuco und ich, die wir doch um einiges jünger sind, hoffen auf eine faire Überlebenschance, wenn uns der Virus beim Einkaufen erwischen sollte.

Resi ist guter Dinge und weiß (über den Sicherheitsabstand von zwei Metern hinweg) sogar Vorteile zu nennen, welche die Corona-Krise mit sich bringt. Als ersten nennt sie uns den Umstand, dass die Polizisten auf ihren Leberkäs‘semmerl-Besorgungsfahrten, die leider immer an ihrem Wohnhaus in der Lassallestraße vorbeiführen, das Folgetonhorn nicht mehr so oft einschalten.

Wir drei gehören wahrlich nicht zu den Leuten, die in jeder $€#eißsituation, die der Lauf der Geschichte für uns bereit hält, nicht die $€#eiße, sondern die „Herausforderung“ – und mehr noch – die „Chance“ sehen (wollen). Resi aber sieht jetzt tatsächlich Chancen:
Weltweit stehen viele Räder still, nicht nur bei uns. Die Krise trifft alle gleichzeitig, damit also niemand. Nein, stimmt nicht. Das Weltproletariat, das in den Ländern zu Hause ist, die miteinander den @rsch der Welt abgeben, wird die Corona-Krise viel unmittelbarer zu spüren bekommen. Oder tut es schon.

Ja, aber die paar Nedsch, die dort jemand verdient, indem er/sie in einem Sweatshop die Billigfetzen zusammennäht, die wir bei Hasi & Mausi kaufen, summieren sich zu einem Lebensverdienst von wiederum nur ein paar Nedsch, was den Wert eines solchen Lebens auf plus minus einen $€#as reduziert, womit wir wieder zu der These zurückgeleitet wären, dass die Krise alle gleichzeitig und damit niemanden trifft.

Auch wenn jetzt grad vieles von dem $€#eiß nicht produziert wird, ohne den nicht leben zu können wir sonst (der Werbung) glauben, ist die Produktivität der menschlichen Arbeit doch wohl dennoch so hoch, dass niemand auf diesem Planeten wirklichen Mangel leiden müsste, wenn … ja, wenn denn die Produktion nicht die Magd des Zockens und der Profitmacherei wäre.

Die Flieger, die die Einsichtigen unter uns durch ihr Konsumverhalten am Aufsteigen hindern hätten wollen, die stehen jetzt sowieso alle im Hangar. Nicht nur die der AUA, sondern alle! Was für eine Chance! Aber eben nur eine Chance, so ähnlich wie die auf einen Lottosechser.

Niemand von uns dreien kann sich wirklich vorstellen, worin die emsigen Studien- und Forschungsaktivitäten bestehen, die wohl die ultramodernen Baulichkeiten der neuen Wirtschaftsuniversität im Zweiten erfüllen­ – wenn nicht gerade eine Corona-Krise angesagt ist. Irgendetwas müssen die dort doch den lieben langen Tag tun, bevor sie graduiert sind und in irgendeinem Betrieb die Hälfte der Belegschaft rausschmeißen, um die andere Hälfte doppelt so viel arbeiten zu lassen. Wir einschlägig ganz und gar nicht Gebildeten können uns den Luxus naiven Fragens leisten: Wieso sollen wir (hier in Ösiland) ein paar hundert Millionen dafür ausgeben, dass nach überstandener Krise die Flugzeuge wieder in Schwärmen aufsteigen, um Massen von Ballermännern und -frauen zu ihren Traumdestinationen zu bringen? Oder ganz allgemein: Alles soll nachher wieder so sein wie vorher? Seid’s deppert?

Halt, manches sollte natürlich nachher schon so sein wie vorher. Zum Beispiel die Prozeduren der Gesetzgebung inklusive aller „juristischen Spitzfindigkeiten“. Und die bescheidene Vielfalt der österreichischen Medienlandschaft sollte nicht durch „Fördermaßnahmen“, wie sie Basti the Kid ursprünglich vorhatte, auf seinen Boulevard-Fanclub reduziert werden (hier der aktuelle Stand laut „Standard“).

Die Gefahren, die insbesondere der Meinungs- und Pressefreiheit immer vonseiten jener drohen, die sich nicht mit verfassungsjuristischen Spitzfindigkeiten abgeben wollen, illustrieren wir mit einem kleinen Zitat aus dem Film „Der Mann, der Liberty Valance erschoss“.

[Paco]

 

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