Gernot for Rathausmann

Unserem Fanvideo „Gernot for Rathausmann“ liegt Gernot Blümels eigenes Wahlkampfvideo („Baustellen“) zugrunde, in dem er das graue, frühmorgendliche Wien in Zeitlupe durchmisst. Wir haben es mit der Musik und Szenen aus dem „Dritten Mann“ angereichert: Ein junger Mann kommt mit dem Zug aus Moosbrunn angereist und führt auf seinem Rundgang durch Wien einen inneren Dialog, dessen Rhythmus sich strikt nach nach dem Harry-Lime-Thema richtet.
Der von Resi Stenz verfasste und von Tuco Ramírez vorgetragene Text enthält Formulierungen und Anspielungen, die möglicherweise einer Erklärung bedürfen:
So wird etwa der Ausdruck „mit einem Arsch auf zwei Kirtag‘ sein (oder spielen)“ herangezogen, wobei der „Arsch“ mit Rücksicht auf besonders sensible Betrachter des Videos sprachlich auf „Popscherl“ erweicht wurde. Die Knackigkeit des Blümelschen Sitzorgans, das ein namhafter Vertreter der Homosexuellen-Gemeinde ob ebendieser Eigenschaft gepriesen und Bürgermeister Ludwigs „verschlagenem Schnitzelgesicht“ gegenübergestellt hat, wurde dadurch hoffentlich nicht beeinträchtigt.
Bilokation – „mit einem Arsch auf zwei Kirtag'“ zu sein – ist unseres Wissens erst einigen wenigen katholischen Heiligen geglückt, weshalb dieser Ausdruck meist in eine Negation verpackt zur Anwendung kommt: Man könne mit (nur) einem Arsch eben nicht auf zwei Kirtagen sein, könne also einer Aufgabe nicht gerecht werden, deren Lösung die gleichzeitige Anwesenheit an zwei verschiedenen Orten zur Bedingung hätte.
Gernot Blümel ist dennoch bereit, es den Heiligen Antonius von Padua, Josef von Cupertino oder Franz von Assisi gleichzutun und sich an der Bilokation in Finanzministerium und Rathaus zu versuchen.
Sagt er.
Gestalten will er, sagt er.
Und Wien wieder nach vorne bringen.
Daraus ergibt sich zwingend die Frage, wann dieses (etwa durch christlichsoziale Politik bewirkte?) Vornesein stattgefunden haben soll, bis es einem (roter Politik geschuldeten) Hintensein gewichen ist. Abgesehen vom „Ständestaat“ hatten in Wien die Christlichsozialen – dank eines damals noch nach Steuerleistung und nach Zugehörigkeit zu Wählerklassen (Kurien) beschränkten Wahlrechts – zuletzt in der Monarchie das Sagen. Meint er (Blümel) den Antisemiten Karl Lueger, den Adolf Hitler in „Mein Kampf“ überschwänglich lobt?
Über derlei Fragen gerieten Robert Menasse und Gernot Blümel einander in die Haare. Details dazu findet man zum Beispiel hier.
Blümel wusste sich zuletzt anscheinend nicht anders zu helfen, als die Erwähnung Hitlers in dem oben beschriebenen Zusammenhang mit der Verbreitung von NS-Gedankengut gleichzusetzen.

[Paco]

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