„Handelsübliche Munition“

Er könne nur soviel sagen, meint Franz Ruf (ein uniformierter Büttel Karls des Hammers), der zu unser aller Beschwichtigung hinter’s Mikrofon getreten ist, „dass diese Einschätzung, die da getroffen wurde, nicht dazu geführt hätte, dass unmittelbar und zeitnah etwaige Festnahmen oder dauernde Observationen möglich gewesen wären“. Diese kryptische Verschränkung von Konjunktiven könnte wohl mit einem  Zitat des Tiroler Gesundheitsladesrats Bernhard Tilg übersetzt werden: „Die Behörde hat alles richtig gemacht!“
Schließlich, so führt er weiter aus, langen pro Jahr um die 1.000 Warnungen wie jene aus der Slowakei bezüglich der Munitionskaufabsicht des Wiener Attentäters ein; das sind ja glatt zwei bis drei Hinweise am Tag; da bleiben womöglich ja gar keine Kapazitäten mehr frei  für Wichtigeres (wie das Hickhack zwischen den verschiedenen Clans im Ministerium für Inneres).
Wie man jetzt weiß, blieben zum Beispiel auch Informationen des deutschen Verfassungsschutzes bezüglich der Kontakte des späteren Attentäters zu überwachten Gefährdern unbeachtet. Das Beste ist dann aber der Hinweis Franz Rufs, dass der Attentäter lediglich „handelsübliche Munition“ habe kaufen wollen, also nichts Ausgefallenes, Gefinkeltes, Getuntes; er wollte nicht das Pferdekäseleberkäsfintschgerl mit Senf und Gurkerl unter den Perforationswerkzeugen, er wollte bloß fünf Deka Extra in ein Semmerl; Handelsübliches eben, wie es auch Polizei und Militär verwenden. Und soll man jetzt hinter jedem einschlägig vorbestraften Terror-Aficionado herkontrollieren? Und – nur weil dem vielleicht grad nach einem Schachterl 9 mm Para ist – gleich das Räderwerk der Terrorbekämpfungsmaschinerie in Gang setzen?
Handelsübliche Munition in den Händen eines fanatischen Mörders – suggeriert uns der öffentliche Sicherheitswuzi – braucht uns nicht zu beunruhigen .

Resi Stenz reagiert auf all das mit einem Liedchen, das der Melodie von „Es zog ein Regiment von Ungarland herauf“ folgt und von Tuco … interpretiert wird.

Handelsübliche Munition

An jungen Mann zog es von Mistelbach hierher
nach Wien und Polizist sein wollt‘ so gerne er.                      
Warum kann ich nicht sagen,
vielleicht wollte er tragen
a Glock 9 Millimeter.

9-Millimeter-Munition hat jeder gern,
das Militär und Polizei von nah und fern;
und auch zivile Schützen
tun sie so gern benützen,
9 Millimeter Para.

Doch manche bleib’m der .45 Auto treu,
(und Polizisten und Soldaten sind dabei).
Auch die ist handelsüblich,
nur teurer – wie betrüblich –
dafür tut’s lauter krachen!

Auch Sturmg’wehrmunition ist ziemlich ordinär
und passt auch rein in manch ziviles Jagdgewehr,
drum ist sie handelsüblich
und damit auch sehr dienlich
dem Umananderschießen!

Ein Terrorist im Dienste Gottes kam daher
und möglichst viele von uns abknall’n wollte er.
„Sie woll’n uns niedermachen?“,
sag ich „na, Sie wer’n lachen,
Ihr‘ Muni‘s handelsüblich!“

2 Antworten auf “„Handelsübliche Munition“”

  1. Vielleicht wollte er uns nur vermitteln, dass es im Falle eines Falles besser ist, durch handelsübliche Munition das Leben zu opfern als durch handelsunübliche; wer weiß, wie tot man dann erst ist!
    Vor einem Mikrofon und in dieser Position darf man sich nicht betroffen fühlen über das angerichtete Leid. Haltung bewahren, koste was es wolle, es zahlen eh die anderen (drauf) …

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